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Wie entsteht DIE ROTATION BEIM FLOP?
Die Rotation, die dafür sorgt, dass Kopf und Rumpf sinken, damit Po und Beine steigen können, hat ihre Achse annähernd parallel zur Latte. Man nennt sie auch Basküle, ein Begriff aus dem Springreiten, wo es auch darauf ankommt, dass das Pferd um die Oberkante des Hindernisses herumrotiert, damit die Vorderhuf, die beim Absprung oben sind, zur Landung nach unten gehen, und die Hinterhand, die Beim Absprung ganz unten ist, genügend Höhe erreicht.
Einfachstes Beispiel Standflop rücklings-rückwärts. Wenn wir keine Angst haben, auf dem Genick zu landen, machen wir einen halben gestreckten Salto rückwärts, an dessen Ende Kopf und Rumpf nach unten zeigen, und die Beine nach oben.
Wenn wir diese Rotation nicht einleiten, steigt der Kopf immer weiter, die Beine bleiben unten und können nur durch eine Klappmesserbewegung angehoben werden, bei der aber leider der Kopf oben bleibt und „der Arsch auf Grundeis geht“.
In der Klappmesser-Haltung liegt der KSP bis zu 15 cm vor dem Bauchnabel, also bis zu 40 cm von der Streichelfläche der Pobacken entfernt. Man kann sich ausmalen, dass dabei keine ökonomische Überquerung entsteht. Auch nicht, wenn man mit gestreckten (überstreckten) Hüften wartet, bis der Po die Latte passiert hat.
Dies ist also der krasse Unterschied zwischen Sitz-„Flop“ und richtigem Flop.
Jetzt geht es um zwei Aspekte dieser Flugrotation:
Welche Richtung hat sie im Verhältnis zur Stellung des Körpers in der Absprunghaltung?
Und wie groβ ist der notwendige Kraftstoβ (Drehmoment), und zwar absolut und im Verhältnis zum gesamten Absprungstoβ?
Letzteres zuerst:
Wie viel Kraft muss vom Absprung-Kraftstoβ für die Basküle abgezweigt werden?
Viele Experten glauben und vertreten, dass die Rotation gar keinen Kraftstoβ erfordert. Sie ergebe sich gratis aus der seitlichen „Aufricht-Energie“, weil der Körper ja während des Absprungs aus der Kurven-Neigung zur Latte hin aufgerichtet wird.
Dies ist leider nur ein frommer Wunsch, denn es kostet mehr Kraft, durch eine Kurve zu laufen als geradeaus. Und dies ist genau die Kraft, die für die Rotation aufgebracht werden muss.
Man muss sich von der Latte weglehnen, sich also von ihr wegstemmen, um der Fliehkraft zu widerstehen, und man darf die Kurvenneigung erst während des letzten Drittels der Absprungzeit aufgeben.
Dieser Vorgang tritt aber auch erst bei Flughöhen über 60cm auf.
Warum? Weil jeder Flopper bei jeder Höhe denselben halben Salto machen muss.
Bei geringerer Höhe/Flugzeit muss die Rotation folglich sehr schnell sein, und je höher der Springer fliegt, desto langsamer muss sie sein.
Der „Tiefflieger“ braucht also ein groβes Drehmoment, der „Hochflieger“ ein kleines.
Und der Tiefflieger muss dieses groβe Drehmoment von einem kleinen Kraftstoβ abzweigen, während der Hochflieger das kleine Drehmoment von einem 3-4x gröβeren Kraftstoβ abzweigt.
Man muss also davon ausgehen, dass ein Tiefflieger die Hälfte seiner Sprungkraft opfern muss, um die für eine optimale Überquerung nötige Flugrotation zu erzeugen. Der Hochflieger dagegen nur 10 bis 5%.
In der Entwicklung zum Hochspringer wird also der Rotationsstoβ sowohl anteilig als auch absolut immer geringer.
Ich erlebe nun seit Jahren die gegenläufige Entwicklung. Das Erzeugen der Flugrotation wird für mich mit schrumpfenden Flughöhen immer aufwändiger.
Faustregel: Wer nicht höher springt als er groβ ist, der muss beim Absprung zum Flop in der Schwungbeinhüfte einknicken, damit die Streckkraft des Sprungbeines auβen am KSP vorbeigeht und dadurch Rotation nach innen (zur Latte hin) erzeugt. Und zwar umso mehr, je geringer die Höhe ist.
Es ist also etwas ganz anderes, ob ein Schüler sich zur Latte lehnt, dann ohne Basküle abspringt, und folglich mit Klappmesser auf dem Hintern landet, oder ob er zur Latte hin in der Hüfte einknickt, um die richtige Basküle zu erzeugen, und folgerichtig auf den Schultern landet, wobei die Beine ohne weitere Maβnahmen höher über die Latte fliegen als der Po. (Siehe die Beine von Vladic, Friedrich und Co.)
Wenn er damit an die Grenze seiner Sprungkraft stöβt, nützt es nichts ihn aufzufordern, mehr in die Vertikale abzuspringen, denn dadurch geht die gute Basküle verloren, und die bestmögliche Hochsprungleistung auch.
Nun zur Rotationsrichtung:
In der Absprungstellung liegt die Latte parallel zur Körpertiefenachse. Wenn ich also um die Latte herumrotieren will, muss ich einen Drehstoβ erzeugen, der annähernd um die Tiefenachse verläuft.
Eine ganz kleine Abweichung wendet während des Anfluges, also wenn die Körperlängsachse schon in Richtung Waagerechte tendiert, den Rücken zur Latte.
Wer beim Absprung dagegen (wie meist gelehrt) einen Salto rückwärts wie beim Standflop rückwärts macht, kommt niemals mit der Körperlängsachse in Querlage zur Latte. Und wer meint, eine gleichzeitige Schraube sei die passende Antwort, der verkennt eine ganze Reihe von Nachteilen. Z.B. dass diese Rotationskomponente um die Senkrechte herum bis zur Landung erhalten bleibt, also weiterwirkt und die Lage der Körperlängsachse bei der Überquerung immer weiter gegen die Latte verdreht. Auβerdem:
Der Salto rückwärts ist so etwas wie ein Auerbacher, bei dem der Kraftstoβ VOR dem Köper verläuft. Er trifft den KSP von vorne, wirkt also nach hinten. Gegen die Anlauf-Absprungrichtung. Ein kapitaler Bremsstoβ, der Unmengen an Sprungkraft vergeudet.
Man führe sich die Bodenturner vor Augen, die Dreifachsalti in Laufrichtung/Sprungrichtung vollführen. Aber einen Auerbacher am Boden hat m.W. noch keiner gezeigt. In Laufrichtung Springen, aber gegen die Sprungrichtung Rotieren, das ist eben ohne Sprungbrett einfach zu Kraft raubend für einen Salto erstrecht mit Schraube.
Die Achse der richtigen Floprotation liegt annähernd waagerecht und um 45 bis 60º schräg zur Sprungrichtung. Die Rotation ist also anteilig (zu einem Drittel bis zur Hälfte) vorwärts gerichtet, was den günstigen Bedingungen eines in Laufrichtung ausgeführten Salto nahe kommt.
Auch die Schraube ist ein Höhenkiller, wenn sie den Auftrieb, den das Schwungbein erzeugen könnte und sollte, zumindest teilweise dazu missbraucht, eine Rotation um die Senkrechte herum zu erzeugen.
Und letztlich ist die Summe der zwei konkurrierenden Rotationsstöβe (Auerbach mit Schraube) viel gröβer als ihre Resultierende. Sie amortisieren einander auch noch zu einem beträchtlichen Teil.
Der richtige Flop-Absprung ist also kein halber Salto rückwärts mit halber Schraube, sondern ein Seitwärts-Salto mit einer minimalen Abweichung für eine viertel Wende, welche zum gröβten Teil durch spontanes Zutun der Arme im Sinne einer Scheinrotation besorgt wird.
(Mündlich bestätigt von Jesus DAPENA, KILLINGs Guru aus den USA)
Dieser Seitwärtssalto gibt auch der Kurve erst ihren Sinn!
Denn das Aufrichten aus der Kurvenneigung erfolgt ja quer zur Latte und hin zu ihr. Obwohl die Aufrichtung aus der Kurvenneigung einen Drehstoβ darstellt, reicht er auch bei Höchstfliegern nicht aus, um die nötige Basküle zu erzeugen. Deshalb zeigen auch die Besten beim Abheben eine leichte Krümmung der Körperlängsachse zur Latte hin (Banane). Die Achse ihres Schultergürtels kippen viele Könner der Art in Richtung Latte, dass die lattenferne Schulter schon kurz nach dem Abheben über die Höhe der lattennahen Schulter gelangt.
Und der Kopf zeigt eben diese Absicht, indem er ebenfalls in Richtung Latte kippt. (Das lattennahe Ohr legt sich auf die Schulter.)
Konsequenz: Die Floprotation ist ein halber Seitwärtssalto und muss als solcher erlernt/gelehrt werden.
Viele Kollegen meinen, der Flopschüler könne beim Erlernen des Flop-Absprunges auf die bereits erworbenen Fertigkeiten beim Weitsprung zurückgreifen. Ich hoffe es wird hier deutlich, dass dies nur in sehr begrenztem Maβe gegeben ist.
Man könnte auch meinen, der Hangsprung ähnele doch dem Flop, weil es dort auch darum geht, im Fluge zunächst Bogenspannung einzunehmen und dann zur Landung ein Klappmesser zu machen.
Hier wird aber möglichst keine Rotation eingeleitet, schon gar keine seitliche. Eher droht hier ein negativer Transfer! Die Ähnlichkeiten liegen ganz woanders!
Wenn man den Absprung beim Weitsprung nicht ganz zuende bringt, sondern schon vor dem Abheben in die Bogenspannung geht, dann wird das Becken vorgeschoben und der Kraftstoβ des Sprungbeines geht vorn am KSP vorbei.
Dann haben wir auch hier wieder den Auerbach-Effekt. Ein fürchterlicher Bremsstoβ, der Anlauftempo und Sprungkraft vernichtet anstatt sie umzusetzen. Deshalb muss auch hier
die Faustregel gelten, dass das Flugverhalten erst 0,1sek. nach dem Abheben einsetzen darf. Dies ist einfach die neurologisch grenzwertige Reaktionszeit. Sie ist eher länger als kürzer. Und daher verlangen wir von weniger sprungstarken Schülern zurecht keinen Hangflug sondern nur einen Hocksprung mit zur Landung nach vorn gestreckten Beinen.
Der Dreh mit dem Flop ist also doch ganz schön kompliziert…
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